Foligno ist eine lebendige Stadt in Umbrien, die sich im Gegensatz zu den vielen für die Region typischen Bergdörfern durch ihre flache Lage auszeichnet. Sie ist bekannt als „Lu Centru de lu Munnu“ (Das Zentrum der Welt), ein Titel, der traditionell durch eine Kristallnadel am Billardtisch im historischen Caffè Sassovivo symbolisiert wird.
1. Geschichte
Antike Ursprünge: Gegründet von den Umbrern, später das römische Fulginium. Es war ein strategisch wichtiger Haltepunkt an der Via Flaminia.
Mittelalterliche Blütezeit: Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert erlebte die Stadt eine bedeutende Entwicklung. Sie wurde von der mächtigen Familie Trinci (1305–1439) regiert, die ihren Einfluss auf benachbarte Städte wie Assisi und Spello ausdehnte.
Meilenstein des Buchdrucks: 1472 war Foligno die erste Stadt, die Dantes Göttliche Komödie druckte.
Neuzeit: Nach der Zugehörigkeit zum Kirchenstaat schloss sich Foligno 1860 dem vereinigten Italien an. Trotz schwerer Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und dem Erdbeben von 1997 wurde die Stadt sorgfältig restauriert.
2. Beschreibung & Architektur
Foligno zeichnet sich durch seine fußgängerfreundliche, eiförmige Altstadt aus.
Piazza della Repubblica: Das städtische Herzstück mit der Kathedrale San Feliciano (12. Jahrhundert), dem Palazzo Comunale und dem Palazzo Trinci, der mit erstklassigen spätgotischen Fresken besticht.
Religiöse Stätten: Die romanische Kirche Santa Maria Infraportas und die nahegelegene Abtei Sassovivo, bekannt für ihren beeindruckenden romanischen Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert.
Zeitgenössische Kunst: Das CIAC (Italienisches Zentrum für zeitgenössische Kunst) und die Kirche Santissima Trinità in Annunziata, in der sich der „Kosmische Magnet“ (Calamita Cosmica) befindet, eine massive, 24 Meter hohe Skelettskulptur.
3. Typische Speisen
Strangozzi: Dicke, handgerollte Pasta, oft serviert mit schwarzen Trüffeln oder pikanter Tomatensoße.
Rocciata: Ein traditionelles, spiralförmiges Dessert, ähnlich einem Strudel, gefüllt mit Äpfeln, Walnüssen, Kakao und Zimt.
Hülsenfrüchte: Die rote Kartoffelsorte Colfiorito und verschiedene alte Hülsenfrüchte wie Roveja (Wilderbsen) und Cicerchie (Knöterich), die oft in rustikalen Suppen verwendet werden.
Spaghetti al Rancetto: Pasta mit Pancetta, Tomaten und Majoran.
Wein: Foligno liegt in der Nähe von Montefalco und ist ein hervorragender Ort, um Sagrantino di Montefalco (einen kräftigen Rotwein) und Grechetto (Weißwein) zu genießen.
4. Feste & Veranstaltungen
Giostra della Quintana (Juni & September): Eines der berühmtesten historischen Barockfeste Italiens. Zehn Ritter aus verschiedenen Vierteln treten zu Pferd gegeneinander an. Die Stadt erstrahlt in Kostümen des 17. Jahrhunderts, Prozessionen und traditionellen Tavernen, die Gerichte aus dieser Zeit servieren.
I Primi d'Italia (September): Das nationale Fest der ersten Gänge Italiens (Pasta, Reis, Gnocchi und Suppen). Die Altstadt verwandelt sich in ein riesiges Verkostungsdorf mit Show-Cooking und Workshops.
Segni Barocchi Festival (August/September): Ein Kulturfestival, das die Barockzeit mit Musik, Theater und Ausstellungen feiert.
5. Natur & Aktivitäten
Regionalpark Colfiorito: Ein Hochplateau mit einem einzigartigen Feuchtgebiet. Foligno ist ein Paradies für Vogelbeobachter, Wanderer und Radfahrer.
Radfahren: Dank seiner flachen Lage ist Foligno eine der wenigen umbrischen Städte, die sich ideal für entspannte Radtouren eignen. Der Radweg „Spoleto-Assisi“ führt direkt hindurch.
Wald von Sassovivo: Dieser uralte Steineichenwald, der die Abtei umgibt, bietet wunderschöne, schattige Wanderwege.
6. Geschäfte
Corso Cavour: Die Haupteinkaufsstraße ist gesäumt von italienischen Modemarken und Boutiquen.
Lokales Kunsthandwerk: Entdecken Sie umbrische Textilien, Keramik (aus dem nahegelegenen Deruta) und Feinkostläden mit Trüffeln, Olivenöl und Wurstwaren (Norcineria).
Märkte: Traditionelle Wochenmärkte finden oft auf den Plätzen statt und bieten regionale Produkte und handgefertigtes Kunsthandwerk an.