Epirus wird oft als die „wilde Seele“ Griechenlands bezeichnet. Anders als die weiß-blauen Bilder der Inseln ist Epirus ein Land mit hoch aufragenden Kalksteingipfeln, tiefgrünen Flüssen und uralten Steindörfern, die sich in den Pindosbergen verbergen.
Geschichte: Von Orakeln zu Kaisern
Epirus blickt auf eine raue Grenzgeschichte zurück, die es von den Stadtstaaten Südgriechenlands unterscheidet.
Antike Anfänge: Hier befand sich das Orakel von Dodona, das älteste in Griechenland, wo Priester das Rascheln von Eichenblättern deuteten. Es war von drei Hauptstämmen bewohnt: den Molossern, Thesprotern und Chaoniern.
Der „Pyrrhussieg“: Der berühmteste Herrscher der Region, König Pyrrhus, kämpfte bekanntlich gegen die Römer. Seine Siege waren so verlustreich, dass sie den Begriff „Pyrrhussieg“ prägten.
Byzantinische und Osmanische Ära: Nach dem Fall Konstantinopels 1204 wurde das Despotat Epirus zu einem bedeutenden byzantinischen Nachfolgestaat. Später, unter osmanischer Herrschaft, regierte der berüchtigte Ali Pascha von Ioannina aus und machte die Stadt zu einem Zentrum der Macht und der griechischen Aufklärung.
Typische Gerichte: Das Königreich der Pasteten
Die Küche von Epirus ist geprägt von ihren nomadischen Wurzeln und konzentriert sich auf Milchprodukte, Wildkräuter und köstliches Gebäck.
Pasteten: Epirus ist berühmt für seine Hunderte von Pastetenrezepten. Probieren Sie Kassiopita (Mehlpastete mit Feta), Blatsaria (Maismehlpastete mit Wildkräutern) oder herzhafte Fleischpasteten.
Lokale Käsesorten: Epirus produziert einige der besten Milchprodukte Griechenlands, darunter Metsovone (ein geräucherter Käse mit geschützter Ursprungsbezeichnung) und Galotyri (ein cremiger, würziger Dip).
Süßigkeiten aus Ioannina: Die Hauptstadt ist berühmt für ihre süßen Desserts, insbesondere Baklava und Klostari (eine Art Nussrolle).
Froschschenkel: Froschschenkel sind eine in Griechenland einzigartige Spezialität und werden in den Tavernen am Seeufer von Ioannina serviert.
Natur & Aktivitäten: Dies ist das Top-Reiseziel in Griechenland für Outdoor-Fans.
Vikos-Schlucht: Sie gilt als die tiefste Schlucht der Welt (im Verhältnis zu ihrer Breite) und bietet atemberaubende Wanderwege.
Fluss Voidomatis: Bekannt als der „sauberste Fluss Europas“, ist sein eiskaltes, türkisfarbenes Wasser ideal zum Rafting und Kajakfahren.
Drakolimni-Seen: Hochgebirgsseen am Berg Tymfi und am Berg Smolikas, die über anspruchsvolle, aber lohnende Wanderungen erreichbar sind.
Die Steinbrücken: Über 100 gewölbte Steinbrücken (wie die berühmten Brücken von Plaka oder Konitsa) prägen die Landschaft – ein Vermächtnis der Steinmetzmeister der Region.
Feste & Traditionen
Panigiria (Sommerfeste): Jedes Dorf hat sein eigenes Fest, doch die Feste in den Regionen Zagoria und Tzoumerka sind legendär. Sie zeichnen sich durch Klarinettenmusik und langsame, hypnotische Kreistänze aus.
Das Sarakatsani-Fest: Es findet im August in Gyftokampos statt und feiert die Traditionen der nomadischen Sarakatsani-Hirten.
Tzamala (Halloween): In Ioannina entzünden die Einheimischen während der Karnevalszeit riesige Freudenfeuer auf den Plätzen, um böse Geister zu vertreiben.
Sehenswürdigkeiten
Ioannina: Die am See gelegene Hauptstadt mit einer imposanten byzantinischen Burg und einer geheimnisvollen Insel mitten im Pamvotida-See.
Metsovo: Ein Bergstädtchen, berühmt für seine Architektur, seinen Wein (Katogi Averoff) und seinen Räucherkäse.
Zagorochoria: Ein Komplex aus 46 traditionellen Steindörfern, die unter UNESCO-Schutz stehen.
Parga & Syvota: Das „Küsten-Epirus“ mit seinen türkisfarbenen Buchten im Ionischen Meer, die es mit jeder Insel aufnehmen können.