Pistoia, oft auch „Klein-Florenz“ genannt, aber ohne den Massenandrang, ist ein verstecktes Juwel der Toskana, das eine bewegte mittelalterliche Vergangenheit mit einem modernen, naturnahen Flair verbindet. 2017 war die Stadt Kulturhauptstadt Italiens und ist auch heute noch ein pulsierendes Zentrum für Kunst, Gärtnereien und authentische Gastronomie.
Geschichte & Beschreibung: Pistoia entstand als römisches Oppidum (befestigte Stadt) an der Via Cassia. Im Mittelalter war sie eine eigenwillige, kämpferische Gemeinde, aus der die berüchtigten Fraktionen der „Schwarzen“ und „Weißen“ Guelfen hervorgingen – eine Rivalität, die so heftig war, dass sie in Dantes Inferno verewigt wurde.
Das Stadtbild: Die Stadt wird von ihren drei konzentrischen Ringen aus alten Mauern und ihrer beeindruckenden pisanisch-romanischen Architektur geprägt, die sich durch markanten grün-weiß gestreiften Marmor auszeichnet.
Die Pistole: Der Legende nach stammt das Wort „Pistole“ von Pistoia, wo im 16. Jahrhundert kleine Handfeuerwaffen hergestellt wurden.
Typische Gerichte
Die Küche Pistoias ist einfach, aber unglaublich schmackhaft. Sie wurzelt in den Traditionen der Bergregion und der geschickten Verwertung von Resten.
Maccheroni sull'Anatra: Breite, handgeschnittene Nudelplatten, traditionell serviert mit einem reichhaltigen Ragout von Moschusente. Es ist das typische Gericht zum Fest des Heiligen Jakobus.
Zuppa del Carcerato (Gefangenensuppe): Eine dicke Suppe aus altem Brot und Fleischbrühe aus Kalbinnereien. Sie entstand aufgrund der Nähe des Gefängnisses zum städtischen Schlachthof.
Confetti Ricci: Keine gewöhnlichen kandierten Mandeln; diese sind igelförmig und haben eine unebene, stachelige Oberfläche.
Kastanienspezialitäten: Aus dem nahegelegenen Apennin stammen Necci (Kastanienmehl-Crêpes mit Ricotta-Füllung) und Castagnaccio (ein dichter, nussiger Kastanienkuchen).
Aktivitäten & Festivals
Pistoia Sotterranea: Eine Führung unter dem Ospedale del Ceppo führt Sie zu den archäologischen Schichten der Stadt, darunter das kleinste anatomische Theater der Welt.
Piazza del Duomo: Erklimmen Sie den 67 Meter hohen Glockenturm und genießen Sie den Panoramablick über die Stadt oder bewundern Sie den imposanten Silbernen Altar des Heiligen Jakobus im Inneren des Doms.
Pistoia Blues Festival (Juli): Eines der ältesten und renommiertesten Musikfestivals Italiens mit Legenden wie B.B. King und Jimmy Page.
Giostra dell’Orso (Bärenturnier): Dieses mittelalterliche Reitturnier findet jedes Jahr am 25. Juli statt. Ritter aus den vier Stadtbezirken treten in Tracht gegeneinander an.
Geschäfte & Märkte
Piazza della Sala: Das Herz der Stadt. Tagsüber ist es ein lebhafter mittelalterlicher Lebensmittelmarkt; abends verwandelt er sich in das Zentrum des Pistoianer Nachtlebens mit Weinbars und Bistros.
Baumschulen: Pistoia ist die „Grüne Hauptstadt“ Europas. Die umliegenden Ebenen sind von riesigen Baumschulen geprägt, die Bäume und Sträucher weltweit exportieren.
Handwerksbetriebe: Entdecken Sie lokale Lederwaren und die berühmten Brigidini (Aniswaffeln), die in traditionellen Konditoreien wie Corsini frisch zubereitet werden.
Natur
Das Pistoische Gebirge: Nördlich der Stadt bieten die Apenninen im Winter Skifahren in Abetone und im Sommer Wandern und Mountainbiken.
Fattoria di Celle: Ein weltbekannter Freiluftpark für zeitgenössische Kunst, in dem Skulpturen harmonisch in die sanfte toskanische Landschaft eingebettet sind.
Zoo di Pistoia: Ein großer, moderner Zoo, 5 km vom Stadtzentrum entfernt, der sich dem Artenschutz und der Biodiversität widmet.