Formentera, die kleinste der spanischen Baleareninseln, wird oft als das „letzte Paradies“ des Mittelmeers bezeichnet. Bekannt für ihr kristallklares, türkisfarbenes Wasser und ihre entspannte, unkonventionelle Atmosphäre, bietet sie einen starken, ruhigen Kontrast zu ihrer lebhaften Nachbarin Ibiza.
1. Geschichte
Etymologie: Der Name leitet sich vermutlich vom lateinischen Frumentarium ab, was „Kornspeicher“ bedeutet, da die Römer die Insel für den intensiven Weizenanbau nutzten.
Alte Bewohner: Die Besiedlung lässt sich bis in die Megalithzeit (2000–1600 v. Chr.) zurückverfolgen, wie die Gräberstätte Ca na Costa belegt. Später wurde die Insel von Phöniziern, Karthagern, Römern und Mauren bewohnt.
Die Piratenplage: Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert machten ständige Angriffe der Barbaresken-Piraten die Insel nahezu unbewohnbar. Ende des 17. Jahrhunderts wurde sie schließlich von Menschen von Ibiza wiederbesiedelt.
Hippie-Ära: In den 1960er- und 70er-Jahren wurde Formentera zu einem Zufluchtsort der Hippie-Bewegung und zog Künstler und Musiker wie Pink Floyd und Bob Dylan an, deren Einfluss die künstlerische und unkonventionelle Kultur der Insel bis heute prägt.
2. Beschreibung & Atmosphäre
Formentera ist flach und klein (ca. 19 km lang) und eignet sich daher ideal für Erkundungen mit dem Fahrrad oder Roller. Da die Insel keinen Flughafen besitzt (sie ist nur mit der Fähre von Ibiza aus erreichbar), konnte sie ihre natürliche Schönheit bewahren. Sie ist berühmt für ihren unberührten weißen Sand und ihre FKK-Strände.
Wichtigste Orte: Sant Francesc Xavier (Hauptstadt), Sant Ferran de ses Roques (künstlerisches Zentrum) und Es Pujols (Haupttouristenzentrum).
3. Natur
Posidonia Oceanica: Dieses zum UNESCO-Welterbe gehörende Seegras ist das Geheimnis des kristallklaren Wassers von Formentera. Es wirkt als natürlicher Filter und reichert das Meer mit Sauerstoff an.
Naturpark Ses Salines: Er erstreckt sich zwischen Ibiza und Formentera und umfasst Salzseen, die sich in der Sonne rosa färben und Flamingos sowie Zugvögeln als Lebensraum dienen.
Seen: Estany Pudent und Estany des Peix sind große Lagunen, die sich ideal zum Beobachten von Vögeln und Fotografieren eignen.
4. Typische Gerichte
Die Küche Formenteras folgt der Slow-Food-Tradition und basiert auf lokalen Produkten:
Ensalada Payesa: Ein rustikaler Salat mit Peix Sec (sonnengetrocknetem Fisch), Tomaten, Paprika und knusprigem Brot.
Frit de Bestiar: Gebratenes Lamm mit Kartoffeln und Paprika.
Bullit de Peix: Ein traditioneller Fischeintopf, der üblicherweise mit Arroz a Banda (in Fischbrühe gekochtem Reis) serviert wird.
Flaó: Ein Käsekuchen mit Minze und Anis.
Herbes Eivissenques: Ein lokaler Kräuterlikör, hergestellt aus bis zu 18 verschiedenen Wildpflanzen der Insel.
5. Aktivitäten
Strände: Ses Illetes zählt regelmäßig zu den schönsten Stränden der Welt. Cala Saona ist berühmt für seine roten Klippen und Sonnenuntergänge.
Leuchttürme: Besuchen Sie Cap de Barbaria (bekannt für seine spektakulären Sonnenuntergänge und die Höhle „Loch im Boden“) und La Mola, das Jules Verne zu seinen Romanen inspirierte.
Aktivtourismus: Die Insel bietet über 30 grüne Routen (Rutes Verdes) zum Wandern und Radfahren.
Tauchen & Schnorcheln: Dank der Posidonia-Wiesen ist die Sicht unter Wasser außergewöhnlich.
6. Feste & Märkte
Kunsthandwerkermarkt La Mola: Mittwochs und sonntags mit lokalen Kunsthandwerkern und Live-Musik in entspannter Hippie-Atmosphäre.
Sant Jaume (25. Juli): Das Hauptfest der Insel in Sant Francesc mit traditionellem Pagès-Tanz und Konzerten.
Flower-Power-Partys: Diese legendären Retro-Partys, die im Sommer (meist in Sant Francesc oder Es Pujols) stattfinden, feiern das Hippie-Erbe der Insel.
Formentera Jazz Festival: Ein Anfang Juni stattfindendes Festival, das internationale und lokale Musiker anzieht.